12.12.2009 - ERFURT. Wenn heute der FC Rot-Weiß Erfurt seine alljährliche Mitgliederversammlung im Stadtwerke-Atrium abhält, werden die Fans mit Sicherheit eines wissen wollen: "Was wird mit dem Stadion-umbau? Indes, eine definitive Antwort bleibt RWE-Präsident Rolf Rombach wohl auch diesmal schuldig.
Als Thüringens ehemaliger Ministerpräsident Dieter Althaus (CDU) am 25. September 2008 in Anwesenheit von DFB-Boss Theo Zwanziger und am 2. August 2009 am Rande des Pokalspiels gegen Duisburg der Presse in die Blöcke diktierte, man werde von Seiten des Landes den Stadionumbau in Erfurt finanziell fördern, nahm mancher das als definitive Zusage. Auch der Erfurter Stadtrat erklärte deshalb die Bereitschaft, sieben bis acht Millionen Euro beizusteuern. Eben jene Summe, die in den nächsten beiden Jahren ohnehin für Reparaturen und das Erfüllen von DFB-Auflagen anfallen wird. Doch dann kam die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise und die Landtagswahl. Geld wurde plötzlich extrem knapp und Dieter Althaus gestürzt Im Dezember 2009 ist das Umbauprojekt auf den Landtagsfluren kein Thema mehr. Manch einer der Politiker will am liebsten überhaupt nicht mehr darüber reden und verflucht die Althaus-Zusage.
Der ehemalige Bauminister Gerald Wucherpfennig (CDU) war ein Verfechter der Baupläne. Doch er verlor sein Amt. Sein Bemühen, den Stadion-umbau wenigstens in den Koalitionsvertrag von CDU und SPD zu bekommen, scheiterten. Sein Nachfolger Christian Carius (CDU) will erst mit dem Koalitionspartner reden, meint aber, die Geschichte mit dem Umbau sei noch nicht aus der Welt. Wenn aber überhaupt, dann nur mit Jena zusammen. "Ich freue mich, wenn Erfurts Oberbürgermeister auf mich zukommt", sagt Carius noch, ehe er das ihm hörbar unangenehme Thema abblockt.
Bodo Ramelow (Die Linke) indes hat sich damit eingehend beschäftigt und hat eine Idee. Weimar bekomme doppelt so viel Staatsfördergeld für sein Theater, als es selber zuschieße. In Erfurt sei das Verhältnis indes genau umgekehrt. Käme da vom Land mehr Geld in die Stadtkasse, könnte man die soziokulturellen Bedürfnisse der freien Träger damit absichern und hätte den Rücken für andere Sachen, also auch für den Stadionumbau, frei. "Da kann sich Kultusminister Christoph Matschie beweisen und durchsetzen, was er früher, als er noch ohne Regierungsverantwortung war, immer gefordert hat", sagt Ramelow süffisant.
Erfurts Oberbürgermeister Andreas Bausewein (SPD) hat ein 80-Millionen-Euro-Loch im Etat 2010. Die Zusage für die sieben bis acht Millionen zum Stadion stellt er aber nicht in Frage. "Die müssen wir für die Reparaturen ohnehin aufbringen", sagt er. Der Ball liegt nach seiner Ansicht allein beim Land. Ein Brief an den Bauminister ist unterwegs, in dem er an die Althaus-Zusage erinnert und um eine klare Positionierung bittet. Der Forderung von Kritikern, das Geld für den Stadionumbau doch lieber den Freien Trägern zu geben, tritt er mit dem Hinweis entgegen, sich doch zuerst das kommunale Haushaltsrecht genau anzusehen: "Das sind doch zwei völlig verschiedene Töpfe, Verwaltungs- und Vermögenshaushalt, deren Inhalt man nicht nach Belieben umschaufeln kann".
Zumindest die Rasenheizung ist auf dem Wege, sie wird vom Fußballklub über eine erhöhte Miete selbst bezahlt. RWE-Präsident Rolf Rombach ist sogar bereit, mehr beizusteuern. "Wir haben umgedacht, wollen uns mit erheblichem Umfang an den Umbaukosten beteiligen", sagt er. "Mehrere Millionen Euro" seien über Kredite und durch höhere Einnahmen denkbar. Und Rombach will den Kostendruck entzerren. Mit einer Art "Patchwork-Stadion". Soll heißen, man baut es in Etappen. Der Präsident denkt dabei an eine Drittelfinanzierung von Klub, Stadt und Land. "Sollte das Gesamtvorhaben aber scheitern, ehe wirklich alle Möglichkeiten ausgelotet sind, und sollte ich zur Überzeugung gelangen, die Erfurter wollen das Hybridstadion gar nicht, werde ich zurücktreten", sagt er entschlossen.
Quelle: Michael KELLER - TA




